Die italienischen Typenbezeichnungen geben an, wie stark das Mehl ausgemahlen wurde – also, wie viel vom vollen Korn (Schale, Keim, Randschichten) noch enthalten ist. Je höher die Zahl, desto gröber, dunkler und aromatischer ist das Mehl.
Tipo 00 – sehr fein und hell
- Höchster Ausmahlungsgrad, fast frei von Schalenteilchen.
- Sehr feine Körnung und seidige Textur.
- Liefert geschmeidige, elastische Teige und helle, zarte Pizzaböden.
- Ideal für neapoletanische Pizza, Pasta und feine Backwaren.
- Kürzere Fermentationszeiten, etwas geringere Wasseraufnahme.
Tipo 0 – ausgewogen und vielseitig
- Enthält etwas mehr Schalenteilchen und Mineralstoffe.
- Etwas kräftiger im Geschmack und toleranter bei langen Gärzeiten.
- Höhere Wasseraufnahme → gut geeignet für Teige mit hoher Hydration (65–70 %).
- Perfekt für Pizzaioli, die mehr Aroma und Struktur bevorzugen.
- Liefert eine etwas dunklere, goldbraune Kruste.
Tipo 1 – aromatisch und rustikal
- Enthält deutlich mehr Bestandteile des vollen Korns, inklusive Weizenkeimen.
- Kräftiger Geschmack, leicht nussige und röstige Noten.
- Noch höhere Wasseraufnahme, ideal für lange Teigführungen (24–72 h) oder Biga-Teige.
- Gibt der Pizza eine charaktervolle Farbe, tiefe Porung und intensives Aroma.
Kurz gesagt:
Tipo 00: fein, hell, elegant – für zarte Pizzaböden.
Tipo 0: aromatischer, vielseitiger – ideal für längere Gärzeiten.
Tipo 1: kräftig, rustikal – für intensiven Geschmack und lange Fermentation.
Ja, das wird sogar häufig gemacht. Durch das Mischen von Tipo 00, 0 oder 1 lässt sich die Textur, Wasseraufnahme und Gärdauer gezielt beeinflussen.
Beispiele:
- 70 % Tipo 00 + 30 % Tipo 0 → mehr Geschmack, leicht längere Gärzeit.
- 80 % Tipo 0 + 20 % Manitoba → stabiler Teig bei sehr langer Fermentation.
So kannst du die Eigenschaften deines Pizzateigs genau auf deinen Ofen und dein Rezept anpassen.
Ausschlaggebend ist der W-Wert (Teigstärke) und der Proteingehalt.
- Für schnelle Teige (8–12 h): W 220–260
- Für lange Gärzeiten (24–72 h): W 280–330
- Für Biga- oder Poolish-Teige: W > 320
Hersteller wie Caputo oder Dallagiovanna geben diese Werte oft an – ein Blick aufs Etikett lohnt sich.
Das Verwenden von Semola di grano duro (Hartweizengrieß) zum Ausbreiten einer Pizza anstelle von klassischem Pizzamehl bietet klare Vorteile – besonders beim Handling und beim Backergebnis:
- Verhindert Ankleben: Die gröbere Struktur wirkt wie kleine Kugellager unter dem Teig – das erleichtert das Formen und verhindert ein Festkleben.
- Einfluss auf die Textur: Beim Backen sorgt Semola für einen knusprigeren Rand, während das Innere der Kruste weich bleibt.
- Thermische Eigenschaften: Semola verbrennt nicht so schnell wie Weizenmehl und ist ideal für sehr heiße Pizzaöfen – zum Beispiel Holzöfen.
- Verbessertes Handling: Der Teig bleibt weniger klebrig und lässt sich leichter dünn ausziehen, ohne dass zusätzlich viel Mehl nötig ist.
- Keine Beeinträchtigung des Geschmacks: Semola ist geschmacklich dezent und verändert nicht das Aroma der Pizza.
Pizzamehl sollte stets trocken, kühl und lichtgeschützt aufbewahrt werden.
Ideal sind Temperaturen zwischen 10 °C und 18 °C bei niedriger Luftfeuchtigkeit.
Am besten lagerst du es in einem luftdicht verschlossenen Behälter, um Feuchtigkeit, Schädlinge und Fremdgerüche fernzuhalten. Wird das Mehl in Originalverpackung gelassen, empfiehlt sich ein zusätzlicher Behälter oder Beutel zur Sicherheit.
Ja. Mehl zieht schnell Feuchtigkeit und Gerüche an, wodurch es klumpig oder muffig wird. In seltenen Fällen können sich auch Mehlmotten oder Milben bilden.
Wenn das Mehl ranzig oder säuerlich riecht, sollte es entsorgt werden.
Tipp: Ein paar Lorbeerblätter im Vorratsbehälter halten Schädlinge fern.
Hochwertige Pizzamehle mit kurzer Haltbarkeit enthalten meist mehr Bestandteile des vollen Korns, insbesondere:
- Weizenkeime
- Rand- und Schalenteilchen
- natürliche Öle und Fette
Diese Bestandteile machen das Mehl aromatischer, nahrhafter und geschmacklich intensiver, sind aber gleichzeitig empfindlicher gegenüber Sauerstoff, Licht und Wärme.
Der natürliche Fettgehalt in den Keimen oxidiert mit der Zeit – dadurch kann das Mehl ranzig oder muffig riechen.
Industriell stark ausgemahlene Mehle (z. B. reines Tipo 00) enthalten diese Öle kaum und sind daher länger haltbar (bis zu 18 Monate oder mehr).
Kurz gesagt:
Je natürlicher und weniger raffiniert ein Mehl ist, desto kürzer ist sein MHD – das ist kein Qualitätsmangel, sondern ein Zeichen von Frische.
Nicht unbedingt.
Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist kein Verfallsdatum. Es gibt nur an, bis wann der Hersteller bei optimaler Lagerung die volle Qualität (Geschmack, Geruch, Backeigenschaften) garantiert.
Nach Ablauf kannst du das Mehl meist noch mehrere Monate verwenden, wenn:
- es neutral riecht (nicht muffig oder ranzig),
- trocken gelagert wurde,
- keine Insekten oder Klumpen sichtbar sind.
Tipp aus der Praxis:
Bei Mehlen mit Weizenkeimen (z. B. Uniqua Blu oder Tipo 1) ist eine kühle, luftdichte Lagerung besonders wichtig.
Lagere sie idealerweise in einem luftdichten Kunststoffbehälter oder Schraubglas bei Temperaturen unter 20 °C, besser um 10–15 °C.
Ein Mehl sollte nicht mehr verwendet werden, wenn:
- es ranzig oder nach nassen Pappkartons riecht,
- graue oder gelbliche Flecken aufweist (Hinweis auf Fette oder Schimmel),
- sich Larven, Spinnenfäden oder kleine Käfer zeigen,
- es beim Verarbeiten klebrig oder klumpig wirkt.
